Klassiker der erotischen Weltliteratur: Juliette und Justine
Der Doppelroman „Justine“ und „Juliette“ von Donatien Alphonse Francois de Sade geschrieben und führt den Leser in eine Welt der Perversionen und Extreme und spaltet damit Leser, Psychoanalytiker und Philosophen. Die Urteile reichen dabei von „total daneben“ bis „absolut genial“. Ein endgültiges, unumstößliches Urteil wird es nie geben, jeder Leser muss sich sein Urteil selbst bilden.
Jedoch seien allzu zarte Gemüter gewarnt. De Sade nimmt bei den Schilderungen der Ausschweifungen seiner Figuren nicht das kleinste Blatt vor den Mund.
Juliette
Juliette ist der zweite Teil von de Sades Doppelroman und führt den Leser in eine Welt von Laster, Korruption, Maßlosigkeit und Verworfenheit.
Nach Verlassen des Klosters, in dem sie erzogen wurden, trennen sich die Wege von Juliette und Justine. Die masochistisch veranlagte Juliette stürzt sich in ihr Leben als Prostituierte und genießt die Macht über die Männer und den neuen Reichtum in vollen Zügen.
Schnell wird sie Teil eines dekadenten Kreises, der keine Tabus kennt und vor nichts, was Lust bereiten oder anstacheln könnte, Halt macht. So gelangt sie schnell zu Reichtum und Ansehen.
Doch dann packen sie einmal Gewissensbisse und sie folgt zum ersten Mal nicht ihrer tabulosen und korrupten Linie. Diese Schwäche bringt sie beinahe auf das Schafott, so dass sie gelobt, nie mehr so töricht zu sein.
Danach setzt sie ihren Weg von Lust, Ausschweifung und Dekadenz fort. Oft enden die Ausschweifungen, an denen sie teilnimmt, in Lustmorden, bei denen sie nur zu gern eilfertig hilft oder sie gar selbst ausführt. Dabei werden die Kreise, in welchen sie sich bewegt, immer höher an Rang und Einfluss. Gleichzeitig werden die Orgien, die sie zuletzt sogar mit dem Papst feiert, immer ausschweifender, perverser und extremer. Analsex, Lustmorde, Gruppensex, Flagellation und vieles mehr, ziehen sich durch das gesamte Buch. Die Menschen, die nicht zu diesem erlesenen Kreis gehören, wirken eher wie Statisten, deren Aufgabe es lediglich ist zu leiden und zu sterben.
Sade hat hier ein leidenschaftliches Plädoyer für die Lust geschrieben, die er als das höchste aller anzustrebenden Ideale ansieht. Nach seiner Philosophie steht der lustvoll Handelnde im Zentrum und alles ist gut und richtig, das sein Verlangen befriedigt. Die wirklichen philosophischen Diskussionen, in denen er argumentiert und beweist, kommen in diesem Teil des Doppelromans jedoch deutlich kürzer als in „Justine“.
Der Autor ist grenzenlos in dem, was er schreibt, jedoch sollte hier zwischen Fantasie und wirklichem Handeln unterschieden werden. Sade öffnet dem Leser die Augen für die düsteren, blutrünstigen und extremen Seiten des menschlichen Selbst. Er protestiert so gegen Kirche, Glauben, Freundschaft, Familienbande, Schuld und Scham, denen er unterstellt, den Menschen einzuengen und unfrei zu machen.
Die Urteile über dieses Buch gehen von faszinierend über langweilig bis hin zu erschütternd. Ein abschließendes Urteil kann aber nur jeder Leser selbst fällen. Kritiken haben es unzählige Male verrissen und doch wird es immer wieder von neuem gedruckt. Seinen Erfolg verdankt es dabei wohl der menschlichen Faszination am Bösen, Grenzen- und Tabulosen.
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Rubrik: Klassiker der erotischen Weltliteratur
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