Die Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert
In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts kamen erstmals Vaginalduschen als empfängnisverhütendes Mittel auf. Mit Hilfe von Seife, Essig oder anderen Lösungen trachtete man nach dem Geschlechtsverkehr das Sperma zu beseitigen. Heute weiß man jedoch, dass diese Praktiken keine spermizide Wirkung hatten. Im Gegenteil: Sie spülten noch mehr Samenzellen in die Gebärmutter. So hatte Mitte des 19. Jahrhunderts eine verheiratete Frau im Durchschnitt sechs Kinder, mehr als 35% aller verheirateten Frauen mindestens acht.
In den 70ern des 19. Jahrhunderts boten englische Apotheken dann schon eine reiche Auswahl an empfängnisverhütenden Mitteln an, die mehr Erfolg versprachen. Darunter waren Kondome aus Kautschuk, mehr als 100 verschiedene Pessare, chemische Zäpfchen, vaginale Schwämme und medizinische Tampons.
Deutschland war in puncto Verhütung ein ziemlicher Spätzünder. Erst um 1900 erschienen die ersten Aufklärungsratgeber. In Frankreich eroberten diese Heftchen schon 80 Jahre vorher den Markt. Englische Feministinnen trugen schon Spiralen zur Verhütung, als in Deutschland noch der "Coitus Interruptus" dominierte. Anfang des 20. Jahrhunderts verhüteten 62% damit, in den ländlichen Gegenden sogar 80% der Paare.
Erst in der Weimarer Republik wurden erste Sexualberatungstellen eröffnet, die an die Frauen Verhütungsmittel verteilten und die neu entwickelte Kalendermethode empfahlen. Der Nationalsozialismus setzte dieser Entwicklung mit seinem staatlichen Verhütungsverbot jedoch ein jähes Ende.
Trotzdem wird das erste IUP (Intrauterinpessar) in Deutschland entwickelt und bestand aus einem Seidenfaden und Silberringen.
In anderen Staaten erfährt die Verhütung keinen so einschneidenden Rückschlag. 1921 gründet Marie Stopes in England die Gesellschaft für konstruktive Geburtenkontrolle. Noch im gleichen Jahr eröffnet sie die erste Klinik für Familienplanung in London. Wichtige Informationen zur Empfängnisverhütung und Familienplanung werden so für viele Frauen leicht zugänglich.
Die schwedische Regierung ist in den 30er Jahren die erste, die die Geburtenkontrolle staatlich unterstützt.
Im Jahr 1931 bringt Johnson & Johnson nach langer Forschung das erste Verhütungsgel auf den Markt. Später wird diese Firma mit der Pille sehr erfolgreich sein.