Altes Ägypten
Das älteste bisher gefundene Dokument, das über die Methoden der Empfängnisverhütung berichtet, ist der Papyrus Kahun. Das drei Seiten umfassende Fragment wurde im Jahr 1898 von dem britischen Archäologen Sir William Flinders Petrie bei Ausgrabungen südlich von Kairo entdeckt und stammt aus der Zeit um 2200-2100 v. Chr. Nach diesem Dokument sollten die Frauen folgendes verwenden "um die Empfängnis zu vermeiden: Krokodilexkremente, fein aufgelöst in saurer Milch, sich damit bewässern." Und "einen halben Liter Honig in ihre Vagina eingeführt mit einer Prise Soda" oder "saure Milch, in ihre Vagina gegossen" würde den Kindersegen garantiert verhindern. Diese Rezepte müssen gut gewirkt haben und zeugen von einigem Wissen um die Fruchtbarkeit der Frau. Durch den klebrigen Honig wird den Spermien der Zugang zur Gebärmutter verwehrt, saure Milch und Soda stören den Säurehaushalt der Scheide und haben somit eine spermatötende Wirkung. Jedoch unterliefen auch den alten Ägyptern Fehler. So reagieren die Exkremente des heiligen Krokodils nach Untersuchungen von US-Wissenschaftlern basisch und nicht sauer. Das schafft für Spermien eher günstige Bedingungen.
Um 2000 v. Chr. benutzten die Ägypterinnen kleine Kegel aus Samen des Granatapfels und Wachs. Diese Mischung verhinderte wahrscheinlich den Eisprung aufgrund der enthaltenen natürlichen östrogenähnlichen Substanzen.
Um 1850 v.Ch. hatten die Frauen der oberen Gesellschaftsschichten im alten Ägypten verschiedene Substanzen zu ihrer Verfügung, die sie in ihre Scheide einführten, um das Sperma aufzuhalten oder gar abzutöten. Neben den schon erwähnten Pessaren aus Krokodildung und verschiedenen Gummiarten erfreut sich auch die Mischung aus Honig und Natriumkarbonat immer noch großer Beliebtheit.
Der um 1550 v. Chr. verfasste Papyrus Ebers berichtet von einer weiteren, recht wirkungsvollen Tampon-Rezeptur, die eine Schwangerschaft sogar über einen Zeitraum bis zu drei Jahren verhindern sollte. Dieser Tampon besteht aus "Akazienspitzen, fein zerrieben, mit Datteln und Honig auf einen Faserbausch gestrichen und sollte tief in ihren Schoß gegeben" werden. Die Sprossen des Akazienbaumes setzten bei der Gärung Milchsäure frei. Diese ist auch noch in heutigen Verhütungsgelen enthalten.
Der 1300 v. Chr. entstandene Papyrus von Berlin erwähnt eine Mischung aus Fett, Kräutern und gezuckertem Bier, die an vier aufeinander folgenden Tagen zu trinken sei.
Ein weiteres Verhütungsmittel waren die Samen des gemeinen Steckenkrautes, auch Riesenfenchel genannt, welche mit viel Wasser täglich eingenommen werden sollten. Auch hier konnte mit Hilfe moderner Laboranalysen nachgewiesen werden, dass die chemische Zusammensetzung dieser Mittel durchaus in der Lage war, einen gewissen Schutz vor ungewollter Schwangerschaft zu bieten.