Vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert
Im europäischen Mittelalter war der Dildo in den Augen der Kirchenvertreter zu einem höchst verwerflichen Gegenstand mutiert, da Sex aus reiner Lust verpönt war. So wetterten sie in Schriften und predigten wider das weiterhin populäre Instrument und geißelten seine Benutzung als Sünde. Interessant ist im Zuge dessen allerdings, dass vor allem Nonnen, die unter dämonischen Anfällen litten, im 13. Jahrhundert Dildos sogar ärztlich verschrieben bekamen. Und es gab schon zu dieser Zeit teilweise raffinierte Konstruktionen, die Temperatur und Samenerguss eines echten Penis nachahmten.
In der Renaissance fand man für den Dildo eine völlig neue, medizinische Verwendungsform. Er wurde bei der so genannten Subfumigation eingesetzt. Bei dieser damals sehr beliebten Behandlungsmethode saß die Patientin über einem Stövchen und ließ je nach Diagnose an- oder abregende Düfte in die Vagina strömen. Um die Wirksamkeit zu garantieren, wurde ihnen ein gelöcherter Dildo eingeführt, um Vagina offen zu halten, so dass die Dämpfe optimal einströmen konnten.
Neben der medizinischen Anwendung habe es ihn weiterhin immer noch als reines Lustobjekt. Um sie möglichst lebensecht zu gestalten, war daran ein mit warmer Milch gefüllter Ledersack befestigt. Bei Druck auf das Beutelchen schoss die Milch dann - genau wie bei der Ejakulation - aus der Spitze des Dildos heraus.
Neben diesen naturnahen Modellen wurden solche aus Glas beispielsweise im 16. und 17. Jahrhundert besonders in Frankreich geschätzt. Allerdings mussten diese Glasdildos noch mit Vorsicht genossen werden Sie splitterten leicht oder bekamen Sprünge, die zu gefährlich scharfen Kanten werden konnten