Erotische Kurzgeschichten

DER VORSATZ

Sie würde ihn verlassen. Diesen Vorsatz für das neue Jahr fasste sie in der Sylvesternacht. Lautlos formten ihre Lippen um Mitternacht den Satz: Im neuen Jahr verlasse ich ihn – endgültig – für immer. Sie ließ die vielen Trennungsversuche Revue passieren, die sie unternommen hatte. Diesmal würde es anders laufen. Sie war sich dessen ganz sicher. Im nächsten Jahr würde sie ohne ihn ins neue Jahr gehen. Welch guter Vorsatz! Das neue Jahr war keine Woche alt, als sich ihr eine günstige Gelegenheit bot, den Vorsatz in die Tat umzusetzen. Er kam verdächtig spät von der Arbeit. Wenn sie am nächsten Tag sein Hemden waschen würde, würde sie wie immer über die verräterischen Lippenspuren am Kragen hinwegsehen, über den leichten Parfümduft, der mal blumig, mal schwer auf seinem Anzug lag. Sie würde auch die schlimmste aller Demütigungen hinnehmen, nämlich die, daß sein Körper mittlerweile, egal wie intensiv er zuvor geduscht haben mußte, immer nach fremdem weiblichen Schoß roch. Seit fast 10 Jahren schenkte sie seinen Erklärungen nur allzu gern Glauben, sperrte Augen und Ohren zu, wo sie nur konnte. Ein Blick in den Spiegel zeigte ihr, wie müde und frustriert sie aussah. Sie hörte das Türschloß leise schnappen. Ein Ruck fuhr durch ihren Körper, sie strich sich durch das Haar, faßte all ihren Mut zusammen und ging auf ihn zu. „Wo kommst Du her?“ Ihr Stimme klang schrill und zittrig. Überrascht blinzelte er in das grelle Flurlicht. Natürlich hatte er damit gerechnet, sie würde wie meistens schon im Bett liegen und ihm das Gefühl geben, sie schliefe schon. „Babs, Du bist noch auf, was ist los?“ Er wollte ihr einen Kuß geben, doch sie stieß ihn zurück. „Wo Du herkommst, will ich wissen!“ „Von einem Geschäftsessen. Hat mal wieder etwas länger gedauert. Schatz, ich dusche schnell und dann kuscheln wir schön zusammen im Bett. Ich bin fix und fertig vom Tag!“ Er schob sie einfach beiseite und verschwand blitzschnell im Bad. Mit hängenden Schultern sah sie ihm hinterher. Es kostetet sie ungeheuer viel Mut, so mit ihm zu sprechen. Sah er nicht wirklich etwas abgespannt aus? Was, wenn sie ihm dieses Mal Unrecht tat, wenn er wirklich nur bei einem Essen gewesen war? Wenn sie sich doch irrte? Im selben Moment schalt sie sich ob ihrer Dummheit. Wie blöd war sie eigentlich? Es war jedesmal eine andere Frau im Spiel gewesen, obwohl sie immer eindeutige Beweise gehabt hatte, war es ihm genauso oft gelungen, sie zu verunsichern, sie zu versöhnen und letztendlich waren sie beide dort gelandet, wo er sie völlig beherrschte. Im Bett! Er war ihr erster Mann gewesen und bis jetzt ihr einziger. Sie liebte und vergötterte ihn, egal wie er sich verhielt. Sie war körperlich total abhängig von ihm. Er brauchte sie nur anzufassen oder anzuschauen und ihr verging Hören und Sehen. Aber heute würde es anders sein, dessen war sie sich sicher... Mit verschränkten Armen wartete sie, bis er aus dem Bad kam. Ihr Körper zuckte zusammen wie unter einem elektrischen Schlag, als er sie ansprach. „ Du siehst besonders schön aus, wenn Du wütend bist, Du...“ „Ich werde Dich verlassen!“ Es war heraus. Sie fing augenblicklich an zu schwitzen. Gelassen sah er sie an. „Soso, das ist ja interessant, bist Du Dir denn da auch sicher?“ Stumm nickte sie so heftig, daß sie meinte, ihr müßte der Kopf abfallen. Völlig überraschend zog er sie an sich, presste herrisch seinen Mund auf den ihren und küßte sie brutal. Sie fühlte ihre Lippen metallisch schmecken, spürte ihre Knie weich werden und bettelte innerlich: Bitte nicht, laß mich los, laß mich gehen, bitte!! Er stieß sie von sich: „Hast Du in letzter Zeit vielleicht mal in den Spiegel geschaut? Weißt Du wie Du aussiehst? Sei froh, daß ich ab und zu noch aus Mitleid mit Dir schlafe, meinst Du ein anderer Kerl wäre so blöd? Und Du willst mich verlassen, Du drehst ja wohl völlig durch!“ Sie spürte, wie ihr mühsam aufgebautes Selbstwertgefühl anfing, zu bröckeln. Sie sah seinen Mund, seine Hände und fühlte, wie ihr Körper zu ihm hindrängte. Ihr Verstand sträubte sich mit Haut und Haaren, ihr Körper fing an, unter seinem Blick dahin zu fließen. Wie sie sich haßte und verachtete für ihre Schwäche! Er ging an den Wandschrank und holte eine lange Peitsche, eine Handfessel und mehrere Lack-Dessous heraus. „Anziehen!“, befahl er ihr mit rauher Stimme. Sie zögerte nur einen Moment, um sich dann mit zittrigen Händen aus ihren Sachen zu schälen. „Nein, wimmerte sie, laß mich doch.," und zog mechanisch die glänzende Wäsche über. „Auf die Knie, dreh` Dich um, zeig` mir Deinen dicken Hintern!“ Gehorsam tat sie, wie er ihr befahl, reckte ihm ihr Hinterteil entgegen und wartete demütig erregt auf die Schläge von ihm. Die Peitsche strich mal härter, mal sanfter über sie. Duckend, von seinen Flüchen begleitet, haderte sie noch mit sich selbst, warum sie wieder hier unten angelangt war. Als hätte er ihr Zaudern bemerkt, kniete er plötzlich vor ihr. Er lehnte sie zurück, packte ihre Hände, drehte diese geschickt auf den Rücken und band sie mit der Fessel zusammen. Sein steifes Glied hob sich fordernd ihrem Gesicht entgegen. „Nun sag schon, daß Du ihn haben willst, daß Du ihn lutschen und kneten willst, und daß Du alles dafür tun wirst, wenn ich ihn Dich so richtig spüren lasse! Nun mach schon!“ Sie ergab sich. Ihr Körper vibrierte vor Erregung, zwischen ihren Beinen war sie feucht vor Lust. Es hatte keinen Sinn. Ihr Verlangen nach ihm war stärker als ihr Willen. So wie immer. Heute würde sie nochmal nachgeben, heute zum letzten Mal. Sie keuchte stammelnd, was er von ihr hören wollte, immer wieder und wieder. Nahm sein Glied und verwöhnte es unter seinen Peitschenhieben. Schließlich bettelte sie darum, daß er endlich mit ihr schlafen solle. Sie versprach ihm alles, was er hören wollte. Brutal warf er sie auf den Rücken, zwang ihre Beine auseinander, fuhr ihr mit der Peitsche die Innenseiten der Schenkel rauf und runter, strich damit über ihren Kitzler und erfüllte ihren innigsten Wunsch erst, als sie meinte, es nicht länger aushalten zu können. Befreit stöhnte sie auf. Er nahm sie von vorne, von hinten, setzte sich auf sie, vögelte sie im Stehen, im Sitzen. Er beherrschte jede Stellung perfekt. Der Sex mit ihm war animalisch und launisch. Er war ihr Lebenselixier. Es würde alles gut werden. Er liebte nur sie, wie könnte er so mit ihr schlafen, wenn es da andere Frauen geben würde. Sie Närrin, sie würde in Zukunft nachsichtiger mit ihm sein! Sie schrie und keuchte ihre Lust heraus, krallte sich an ihm fest. Er verlangte bedingungslose Unterwerfung, sie gab sie ihm – wie immer. Irgendwann rollte er sich von ihr. Seine Finger tätschelten sie: „Na, Schätzchen, willst Du immer noch gehen?“ „Es tut mir leid, ich...!“ „ Na siehst Du, Du mußtest nur mal wieder richtig durchgeknetet werden. Ich weiß doch, was Du brauchst!“ Sie erhob sich mühsam und taumelte ins Bad, sah im Spiegel ihr leicht geschwollenes, bleiches Gesicht, die aufgebissenen Lippen. Im Augenwinkel bemerkte sie seine Klamotten am Boden liegen. Sie stutzte plötzlich. Das Hemd, das dort lag, war neu. Es sah verdammt teuer aus. Er kaufte sich normalerweise keine kostspieligen Sachen. Ihre Hand griff danach. Sie roch den schweren, blumigen Duft, sah am Kragen die Reste von rotem Lippenstift. Mit zitternden Fingern nahm sie seine Hose und hielt sie sich unter die Nase. Sie roch nach weiblichem Schoß. In der Hosentasche lag ein zerknüllter Zettel. Angstvoll öffnete sie ihn. „Ich bin süchtig nach Dir – wann sehen wir uns wieder? Eva!“ Ein stechender Schmerz fuhr ihr in den Magen. Gerade noch rechtzeitig konnte sie sich über dem Waschbecken übergeben. Sie fühlte sich schmutzig und elendig. Sie war eine Närrin. Sie war das Allerletzte. Sie hatte seine Behandlung verdient. Sie würde nie gehen. Er konnte mit ihr machen, was er wollte. Sie war ihm hörig und würde nie aufhören, es zu sein. So einfach war das. Als sich die Übelkeit etwas gelegt hatte, spülte sie sich den Mund aus, wusch sich kurz durchs Gesicht und schluckte zwei Beruhigungstabletten. Sie stieg über ihn hinweg auf dem Weg zur Küche und sah angewidert in sein Gesicht, daß sogar im Schlaf diesen selbstgerechten Ausdruck nicht verlor. Während sie sich einen Whiskey eingoß, fiel ihr Blick auf das große Tranchiermesser, das an der Wand hing. Gedankenverloren nahm sie es in die Hand, strich sanft mit der Klinge über ihren Daumen und ritzte sich sofort in die Haut. Erschreckt und fasziniert zugleich beobachtete sie, wie kleine Blutstropfen an ihrer Hand entlang liefen. Der Vorsatz! Sie hatte ihn nicht vergessen sondern nur kurzzeitig aus den Augen verloren. Vorsätze waren dazu da, daß man sie einhielt. Sie wußte nun, was zu tun war. Wenn Sie ihn nicht verlassen konnte, dann würde er eben sie verlassen!



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