Der Pfingstochse
Sie bog in den schmalen Feldweg ein, der zum Hof ihrer Schwester führte. Auf der Einfahrt stand ein fremder Pkw. Puh, sie konnte sich nicht erinnern, daß es jemals so heiß zu Pfingsten gewesen war. An der Haustür hing ein Zettel:
Sind noch mal kurz einkaufen gefahren. Im Kühlschrank steht Rote Grütze für Dich, damit du was auf die Rippen bekommst. Kuß, Dein Schwesterchen! Anja mußte schmunzeln. Typisch Sabine, immer besorgt um sie.
Die Autofahrt hatte sie müde gemacht. Das dünne Baumwollkleid klebte ihr am Körper, ob sie kurz duschen sollte? Aus dem Stall drangen Geräusche herüber. Sie trat durch die offene Tür in das halbdunkle Gebäude und empfand die Luft dort als wesentlich angenehmer. In der großen Bullenbox war ein Mann damit beschäftigt, eine riesige Kuh mit Blütenzweigen zu schmücken. Er drehte sich zu ihr um.
Hallo, ich bin Tobias, ein Freund von Sabine. Ich helfe ihr bei den Vorbereitungen für die Kirchweih heute nachmittag. Und Du mußt ihre kleine Schwester sein. Sie hat nicht übertrieben, Du bist wirklich wunderschön. Anja lächelte irritiert und fühlte, wie sie erötete, was hatte die denn wieder über sie erzählt?
Welch attraktiven Freunde Sabine besaß! Etwas stämmig, aber ganz und gar männlich. Als sie ihm die Hand reichte, merkte sie, wie sie wieder ins Schwitzen geriet. Ihr Kleid mußte mittlerweile am Körper kleben. Tobias schien es zu gefallen. Der Blick, mit dem er sie bewundernd musterte, ging durch den Stoff hindurch.
Du könntest mir behilflich sein, ich muß noch hunderte von diesen Blütenzweigen binden, um unser Prachtstück damit zu schmücken. Er gab dem riesigen Ochsen einen liebevollen Klaps.
Meine Finger sind wohl nicht feinfühlig genug für solche Arbeiten. Mit Deinen müßte es besser gehen. Er strich ihr behutsam über die Fingerkuppen. Das Blut begann in ihren Adern zu pochen. Sie setzte sich auf den Schemel, um nicht zu schwanken und begann, die Blumenzweige zu schneiden.
Die Zeit verann zäh und sie hatte das Gefühl, die Luft würde knapper. Bei jedem Zweig, den sie ihm reichte, streiften seine Finger wie zufällig ihre. Der Schweiß lief ihr an Rücken und Schenkeln herunter. Sie öffnete leicht die Beine und fühlte seinen Blick auf sich ruhen.
Mittlerweile war ihr unerträglich heiß. Sie sahen sich an, beide darauf wartend, daß einer den Anfang machte, das zu tun, wonach sie sich so sehnten. Gebannt starrte sie auf seinen breiten sinnlichen Mund, auf seine Muskeln, die sich unter dem T-Shirt abzeichneten. Sie begehrte ihn schon fast schmerzhaft. Der Blütenzweig, den sie in der Hand hielt, fiel zu Boden. Sie bückten sich beide gleichzeitig danach. Sein Atem streift ihr Gesicht.
Ehe sie wußte, wie ihr geschah, hatte er sie hochgehoben und stieg mit ihr die Treppe zum Heuboden hoch. Sanft ließ er sie auf den Boden gleiten. Er küßte leicht ihren Mund, ihre Halsbeuge, den Ansatz ihrer Brüste. Fragend sah er sie an. Sie nickte ungeduldig. Während er das Kleid hochschob, streifte sie hastig sein T-Shirt und die Jeans herunter. Der muskelbepackte Oberkörper glänzte und sie stöhnte laut, als er sich auf sie legte. Ihre Lippen glühten auf seinen. Endlich verschmolzen sie miteinander. Sie bäumte sich keuchend auf. Die Leidenschaft, die sie mit ihm empfand, war wie ein Rausch! Endlos lange wälzten sich ihre schweißbedeckten, zuckenden Körper in immer stärkeren Orgasmuswellen über den strohbedeckten Boden. Sie waren unersättlich in ihrer Gier auf den anderen.
Ein Geräusch riß sie aus ihrer Leidenschaft. Sie starrte über Tobias Rücken in Sabines Gesicht, das über dem Rand des Heubodens auftauchte. Erschrocken, aber mit einem Augenzwinkern verschwand ihre Schwester sofort wieder aus ihrem Blickfeld. Sorry, hörte sie Sabine rufen, ich wollte nur mal hören, wie Dir unser Pfingstochse dieses Jahr gefällt, ...ähem, bis später dann. Die Stalltür schlug zu. Über ihr schwebte Tobias schweißnasses Gesicht. Na und, wie gefällt er Dir? Lachend wartete er auf eine Antwort. Sie prustete los: Der Pfingstochse ist dies Jahr wirklich nicht schlecht, aber der Pfingststier ist ein echter Traum!
Hilde aus Hamburg
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