Erotische Kurzgeschichten
DIE NIXE

Thorsten ließ das kleine Boot zu Wasser gleiten und sprang hinein. Er liebte die Stille auf dem abendlichen See. Nur das sanfte Ein- und Auftauchen der Ruderblätter war zu hören. Endlich allein. Der Tag zwischen den anderen, ausgelassenen Freunden war ihm lang und unerträglich vorgekommen. Es war keine gute Idee gewesen, mit der ganzen Clique in diese Einöde Schwedens zu fahren. Überflüssig fühlte er sich und fehl am Platz. Er ertrug sich selbst kaum, wie sollten es da die anderen können. Die Trennung von Maja hatte ihn schwer angeschlagen. Er liebte sie immer noch - sie liebte jetzt einen anderen.
Von heute auf morgen hatte sie ihn ausgetauscht. So einfach war das. Es gab sicherlich Frauen, die sich für ihn interessierten. Inga und Sabine machten ihm seit Beginn des Urlaubes schöne Augen. Es deprimierte ihn eher als daß es ihn fröhlich stimmte. Inga war o.k. Aber im Moment ging gar nichts. Vielleicht später mal... Thorsten nahm Kurs auf die kleine Insel am Ende des Sees. Er zog das Boot unter die Büsche und war heilfroh, daß er seinen Schlafsack eingepackt hatte. Diese Nacht würde er allein, ohne gutgemeinte Ratschläge und lockere Sprüche verbringen. Das erste Bier schmeckte noch warm, beim dritten hatten die im Wasser liegenden Flaschen die richtige Temperatur erreicht. Er lag auf dem Rücken und sah über sich das Sternenfirmament schmerzhaft schön leuchten. Die Zeit glitt schwerelos dahin. Er konnte nicht mehr ausmachen ob er von der Wirklichkeit in einen Traum hinüberglitt oder ob die Wirklichkeit traumhaft wurde.
Im untergehenden Zwielicht sah er eine Frau aus dem Wasser steigen. Er blinzelte und wischte sich mit der Hand über die Augen. Sie war bis zur Hüfte nackt. Der Abendwind spielte mit ihrem langen Haar. Die ebenmäßige Brust schimmerte von Wasserperlen bedeckt im Licht des Mondes. Im Zwielicht bemerkte er erstaunt wie sie einen lilafarbenen Schwanz hinter sich herzog. Mit einem Mal fühlte er sich glücklich.
Eine richtige Nixe - und was für eine. Sie war wunderschön. Es gab sie also doch, jene sagenumwobenen Nixengestalten, die bei Nacht an Land kamen, um einsame Männerherzen höher schlagen zu lassen. Die Wasserfrau legte sich zu ihm und Tropfen aus ihrem Haar streichelten seine Haut. Er hatte seit langem keine solch erotische Berührung erlebt.
Thorsten schloß die Augen. Die Nixe fuhr zart mit ihren Fingern über seinen Körper bis zu seiner empfindsamsten Stelle. Sein Glied schien förmlich über sich hinaus zu wachsen. Er war gefangen in dieser märchenhaft erregenden Stimmung. Als er das Gefühl hatte, seine Lust sei nicht mehr zu steigern, rollte sich die Schöne aus dem See sanft über ihn. Kurze Zeit später verschmolzen sie miteinander auf eine traumhaft unwirkliche Art.
Sie kamen gemeinsam in rhythmischen Stößen und wälzten sich ineinander verschlungen auf dem erdig duftenden Waldboden. Er küsste wie ein Ertrinkender ihre feuchten Lippen und ihr nasses Haar. Sehnlichst wünschte er sich, nie wieder aufzuwachen aus diesem wunderbaren Traum.

Die Morgensonne schien ihm direkt ins Gesicht. Abrupt setzte er sich auf und sah sich um.
Er war allein und nackt. Auf seiner Bauchdecke bemerkte er feine rote Kratzer. Seufzend sank er zurück. Die Erinnerung der letzten Nacht überkam ihn wie ein Orkan. Er fing an zu schwitzen und bemerkte wie er erigierte. Wo war die Nixe mit dem schönen Schwanz geblieben. Alles nur ein Traum? Aber wo kamen dann die Liebesspuren auf seinem Bauch her? Warum war er nackt? Entweder hatte er einen einzigartigen Traum gehabt oder er fing langsam an durchzudrehen.
Der Hunger trieb ihn schließlich hoch. Als er das Boot vom Ufer abstieß, stutzte er. Zwischen den Ruderbänken lag ein lilafarbener langer Rock. Er vergrub sein Gesicht darin und sog einen betörend blumigen Duft ein.

Inga! Seit einer Woche lag ihm dieser Duft in der Nase, zwischen dem Geruch von frisch gebrühtem Kaffee und angebranntem Speck. Jedesmal wenn sie sich neben ihn beim Frühstück gesetzt hatte, war er benetzt worden von ihrem zarten Duft. Er hatte weder ihm noch ihren einzigartig grünen Augen, ihrem wunderschönen Körper oder ihrer ansteckenden Fröhlichkeit eine Chance gegeben. Er hatte sie angesehen und immer nur in Majas Augen geblickt. Was für ein verdammter Narr er doch war. Er packte die Ruder und holte kräftig aus. Die Zeit des Selbstmitleids und der unerfüllten Liebesträume war vorbei. Er ruderte wie besessen, gepackt von der Angst, zu spät erwacht zu sein.

Am Ufer sah er ein kleine Gestalt hocken. „Inga.....warte, ich komme!“ Der Kopfsprung ins kalte Wasser verschaffte ihm die endgültige Gewissheit. Inga, die Nixe der Nacht würde von nun an auch bei Tag sein Leben bereichern. Er sah sie auf sich zuschwimmen und fühlte sich glücklich wie schon lange nicht mehr.

 
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