LADENSCHLUSS
Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, daß sie nur noch im Eiltempo den Einkauf in der Gemüseabteilung schaffen würde.
Sie rannte die Rolltreppe herab, zerrte eine Klarsichttüte von der Rolle und fing an,
wahllos die Tomaten in eine Tüte zu stopfen.
Wieso hatte sie sich wieder überreden lassen, für ihn zu kochen? Er bekam seine warme Mahlzeit, fühlte sich wohl auf dem neuen Sofa, trank ihren köstlichen spanischen Rotwein aus, benutzte die frisch geputzte Wanne und schlief dann vorm Fernseher ein.
Heute abend würde sie mit ihm reden. Die Beziehung, die es nie gab, war längst zu Ende. Warum schaffte sie den Absprung trotzdem nicht? Weil es so zu zweit immer noch besser
war als allein?
Der Gong und die Ansage, daß die Geschäftsräume in fünf Minuten schließen würden,
riß sie aus ihren Gedanken. Petersilie! Er brauchte das Zeug in ihrer neapolitanischen Tomatensauce. Sie erinnerte sich, wie sie es einmal vergessen hatte und er sich schmollend eine Pizza beim Lieferservice bestellte. Seitdem haßte sie das Kochen für ihn.
Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte sie eine Hand, die das letzte Bund dieses blöden Krautes aus der Schale nahm. Verärgert blickte sie hoch. Sie sah in zwei dunkelbraune Augen, die funkelnd in ein symphatisches Gesicht eingebettet waren.
Wieder ertönte ein Gong. Sie blickten sich, wie es ihr schien, minutenlang an.
Fasziniert schaute sie auf seinen Mund. Wie es wohl sein mochte, von ihm geküsst zu werden? Sie öffnete leicht die Lippen und fühlte einen wohligen Schauer, der sie sich gegen den Obststand zurücklehnen ließ.Er beugte sich über sie, das Licht ging aus, sie standen im Dunkeln. Seine Küsse waren sanft, er roch nach leichtem Tabak, die Haut unter seinem Hemd war fest. Sie zog ihn zu Boden, wo er sie aus ihrer viel zu engen Jeans schälte, ihren Slip herabstreifte und ihren Schoß liebkoste. Eine Kiste mit Paprika fiel herab und landete unsanft auf ihren Beinen. Sie bemerkte es kaum. Fieberhaft knöpfte sie seine Hose auf und umfaßte gierig sein erigiertes Glied, nahm es in den Mund, lutschte und spielte daran.
Schwer atmend setzte sie sich auf ihn. Sie wollte ihn ganz tief in sich spüren.
Rythmisch kamen sie gemeinsam zum Höhepunkt. Ihr Stöhnen wurden von den Wänden in x-facher Lautstärke zurückgeworfen. Sie ritt auf ihm, wie vom Teufel gepackt und schrie sich all den Frust und die entgangene Lust der letzten Jahre aus dem Leib.
Sie glaubte ohnmächtig zu werden, als eine Hand von hinten ihre Schulter packte und sie in die Gesichter von mehren Leuten blicken mußte.
Peinlichst berührt erklärte ihr der Leiter des Kaufhauses, daß sie beide sich anziehen und ihm bitte folgen möchten. Wie in Trance fand sie sich in einem nüchternen Büro wieder.
Die Worte: "...öffentliches Ärgernis...hier Ihre Adresse bitte..." weckten einen unbändigen Lachreiz in ihr, der nicht enden wollte.
Später vermochte sie nicht mehr zu sagen, wie sie nach Hause gekommen war.
Heiner hatte ihr auf den Anrufbeantworter gesprochen: "...komme erst gegen neun...habe einen Riesenhunger, hast Du an die Petersilie gedacht?"
Den leichten Tabakgeruch auf ihrer Haut einatmend, verriegelte sie die Wohnungstür und ließ den Schlüssel von innen stecken.
Sie legte sich aufs Bett und schloß die Augen.
"Ich gehe jeden Dienstag abend hier einkaufen", hatte er gesagt.
In sieben Tagen war wieder Dienstag.
Peter aus Krefeld
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